Welche Lieder singt man im Kindergarten?

In diesem Artikel erfährst du, warum und welche Lieder im Kindergarten besonderen Wert haben. Wir zeigen Beispiele für Begrüßungs-, Bewegungs- und Jahreszeitenlieder im Kita-Alltag und geben Tipps zur Liedauswahl. Außerdem klären wir rechtliche Punkte (GEMA/VG Musikedition).
Warum Lieder im Kindergarten so wichtig sind
Singen fördert Sprache und Gemeinschaft. Kinder bauen ihren Wortschatz aus, wenn sie Lieder im Kindergarten hören und mitsingen. Reime und Melodien erleichtern das Lernen neuer Wörter. Oft fühlen sich Kinder leicht verstanden, wenn sie über Musik kommunizieren. Auch die Motorik profitiert: Beim Klatschen, Tanzen oder einfachen Bewegungen zum Lied verbinden Kinder Körpererleben mit Musik.
Gemeinsam singen schafft ein Wir-Gefühl. Untersuchungen zeigen, dass Gruppenlieder den Stress reduzieren und Nähe erzeugen. Kinder erleben so ganzheitlich mit Kopf, Herz und Hand. Selbst Erzieher*innen profitieren von festen Ritualen im Morgenkreis: Ein kurzes Begrüßungslied am Morgen rahmt den Tag und gibt Halt. Wichtig ist: Du brauchst keine perfekte Stimme. Jede Stimme zählt!
Morgenkreis und Begrüßungslieder
Der Morgenkreis eröffnet den Kita-Tag. Ein fröhliches Begrüßungslied signalisiert: „Jetzt sind wir hier!“ Beliebte Klassiker sind zum Beispiel:
- „Guten Morgen, wir winken uns zu.“
- „Hallo, hallo, schön, dass du da bist.“
- „Bruder Jakob“ (oft als Kanon gesungen).
- „Alle meine Entchen.“
- Ein kurzes „Wasch-Lied“ beim Händewaschen (eigener Text).
- Als Abschluss-Lied: „Mimi, Mimi, schlaf doch“ oder ein anderes Abschieds-Ritual.
Wichtig ist Wiederholung: Lieber wenige Lieder regelmäßig singen, als viele selten. Das Gedächtnis liebt Wiederholung. Kleine Zeichen helfen beim Start: Eine Klangschale oder ein Glockenton vor dem ersten Lied schafft Aufmerksamkeit ohne lautes Rufen. So lernt die Gruppe schnell das gemeinsame Signal für den Beginn.
Bewegungslieder für Action und Ruhe
Bewegung macht Kinder glücklich und müde. Mit Mitmach-Liedern lenkst du Energie und übst Achtsamkeit zugleich. Klassiker sind zum Beispiel:
- „Wenn du fröhlich bist, dann klatsch in die Hand.“
- „Aramsamsam.“
- „Hokey Pokey“ (linke Hand rein, linke Hand raus, …).
- „Ich bin ein dicker Tanzbär, komm spring mit mir umher!“
- „Wir fahren mit der Eisenbahn, einen Schritt nach vorn (zurück).“
- „Kopf, Schulter, Knie und Fuß“ (Head, Shoulders, Knees and Toes).
Lasse die Kinder (mit-)bestimmen: Ein Kind zählt oder macht vor, und wechselt dann mit einem Freund. So sind auch ältere Kinder motiviert. Wenn es zu laut wird, schalte in ein Flüster-Lied: Du singst leise und die Gruppe hört automatisch zu. Für ruhige Phasen singe langsam und mit Pausen. So wird aus einem Bewegungslied ein sanfter Abschieds- oder Entspannungsgong.
Jahreszeiten- und Festlieder im Jahreskreis
Die Jahreszeiten bieten wunderbare Lied-Anlässe. Im Frühling singen viele Kitas etwa:
- „Alle Vögel sind schon da“ (Frühlingserwachen).
- „Im Märzen der Bauer“ (Wind und Wetter im Frühling).
- „Summ, summ, summ – Bienchen summ herum.“
Im Sommer passen Lieder über Sonne, Wind oder Wasser, z.B. „Schulboot flieg’, Schiffchen fahr’“. Im Herbst und Winter sind Laternen- und Winterlieder üblich:
- „St. Martin, St. Martin, Laterne, Laterne“ (Laternenumzug).
- „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.“
- „Schneeflöckchen, Weißröckchen.“
- „O Tannenbaum“ (Weihnachten).
Bleibe offen für Vielfalt. Nicht alle Familien feiern die gleichen Feste. Ein neutrales Lied zum Licht, Wind oder Regen ist fast immer passend. Musik hilft auch Kindern, die noch wenig Deutsch sprechen: Rhythmus und Melodie geben Orientierung, lange bevor der Text verstanden wird.
Praxis-Tipps für passende Kita-Lieder
So wählst du Lieder aus: Kurze, eingängige Melodien sind ideal. Prüfe:
- „Passt das Lied zum Anlass – Morgenkreis, Essen, Aufräumen, Abschied?“
- „Verstehen alle die Wörter? Ist es verständlich?“
- „Können Bewegungen, Bilder oder Requisiten helfen?“
- „Wird das Lied oft genug wiederholt?“
- „Darf die Gruppe eigene Varianten singen?“
Tipp: Beginne singend allein und langsam, dann kommt die Gruppe im Echo-Modus dazu, und schließlich singst du mit Bewegungen. So lernen alle schnell mit. Wirf bekannte Themen ein: Kinder bleiben am Ball, wenn sie das Lied schon vom letzten Jahr kennen. Nutze gern Klassiker aus ihrem Umfeld.
Rechtliches: Singen im Kita-Alltag ist in der Regel lizenzfrei. Da es keine öffentliche Aufführung ist, brauchst du keine GEMA-Lizenz für den Morgenkreis oder das tägliche Singen. Achtung beim Kopieren: Liedtexte und Noten unterliegen oft dem Urheberrecht. Die Kopierrechte verwaltet die VG Musikedition. Manche Kitas schließen hier Rahmenverträge oder zahlen Pauschalen. Fast alle bekannten Kinderlieder sind jedoch „frei“ (Public Domain), wenn der Urheber vor über 70 Jahren gestorben ist.
Fazit und Handlungsaufforderung
Lieder im Kindergarten bereichern den Alltag für Sprachförderung, Bewegung und Gemeinschaft. Wähle aus den oben genannten Beispielen drei Lieder aus, die dir gefallen. Singe sie täglich eine Woche lang im Morgenkreis oder beim Übergang. Beobachte, wie die Kinder mitmachen und mitsingen. Ergänze dann Schritt für Schritt neue Lieder. So integrierst du Lieder im Kindergarten ganz natürlich in den Alltag und die Kinder werden sie bald sicher selbst anstimmen!